Bilder einer Ausstellung des Pommerschen Künstlerbundes

 

 

 

Gemeinschaftsausstellung des Pommerschen Künstlerbundes in der Kulturmensa Greifswald am 16. Januar 2017.
Das Jahr des Gründungsjubiläums liegt hinter uns, und man könnte nach solch einem Kraftakt annehmen, dass der Pommersche Künstlerbund sich jetzt erst einmal in Bezug auf Ausstellungen eine Pause gönnt. Aber weit gefehlt. Das Angebot der Kulturmensa war wohl doch zu verlockend, um diesen Ausstellungstermin nicht wahrzunehmen. Und so ist es der Einstieg in eine neue Entwicklungsphase. Kulturmensa zielt auf Versorgung mit geistiger Nahrung. Wer hier ausstellt, möchte sowohl dem Qualitätsanspruch des Pommerschen Künstlerbundes wie dem einer Kulturmensa gerecht werden.
Die Aussage, auch Kunst sei ein Lebensmittel, ist beinahe schon ein Allgemeinplatz. Jean Paul hat es so ausgedrückt: “Die Kunst ist zwar nicht Brot, aber der Wein des Lebens“. Zu diesem geistigen Anspruch gehört auch die Verbundenheit des Menschen mit seinem unmittelbaren oder weiteren Lebensraum, der ihn formt, seine Erlebniskraft bereichert, seine Lebensauffassung und Sinnerfüllung mitbestimmt und Identität stiftet. Kunst kann ein Wegbereiter dieser Wertschätzung sein, die sich durch die künstlerische Artikulierung für den Betrachter als Herausforderung, günstigenfalls als Botschaft eröffnet und ihm diese ästhetisch nahe bringt.
Das ist eines der Kernprobleme des Pommerschen Künstlerbundes, der sich der Tradition einer regionalen Beziehung verpflichtet fühlt, sie aber unter dem Blick einer zeitgemäßen Sicht innovativ gestaltet. Mehr oder weniger umkreisen alle Aussteller in ihrer persönlichkeitseigenen Formensprache dieses Zentrum. Dabei gibt es eine Spannbreite zwischen erkennbaren Regionalmerkmalen einerseits, z. B. dass ein Usedom-Motiv gemeint ist, und zum anderen einer gestalterischen, interpretierenden Bildidee sowie dem Eigenausdruck der künstlerischen Mittel.
Das Spektrum zwischen diesen beiden Polen ist ein auf Wirklichkeitserleben beruhender, im Sinne der Deutung abstrahierender Gestaltungs-Realismus.
Ich will das an einigen Werken erläutern und mich dabei auf diesen Aspekt konzentrieren. Horst-Werner Schneider z.B. malt in sensibler, fast „altmeisterlicher“ Weise geographisch benannte Motive. Dieser Realitätseindruck wird aber z.B. in „Kleiner Königsstuhl“ von einem Wesensprogramm komponierter Kontrastformen und einer gesteigerten Bilddynamik getragen.
Das Bild „Feuersteinfelder“ von Lilo Schlösser ist zwar ein vor Ort entstandenes Erlebnis, aber in seiner reduzierten Formung einer abstrakten Gestaltung nahe kommend.
Schließlich nutzt Sigrid Henschel in ihrem Bild „Schiffe im Hafen“ nur noch abstrakte Form- und Farbflächen, die durch ihren Ausdruckscharakter eine Stimmung assoziieren.
Eine solche Gemeinschaftsausstellung basiert auf grundlegenden Übereinstimmungen der Mitglieder des PKB, gewinnt aber durch den Facettenreichtum an Dimension und Ausstrahlungskraft.
Es ist den Ausstellungsgestaltern zu danken, aus einem anfänglichen „Chaos“ einen Zusammenklang sichtbar gemacht zu haben, der Vielseitigkeit als eine Ganzheit erscheinen lässt.
Das entspricht auch dem Charakter des Pommerschen Künstlerbundes, eine Verbindung von Schaffenden zu sein, die zusammen arbeiten und - bei Workshops - auch zusammen leben und einen ständigen kollegialen Austausch pflegen.
Diese Kraft einer Gemeinschaft mit innerer Bindung und differenzierter Ausstrahlung ist die Hoffnung auf eine Perspektive.

Manfred Prinz

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